Digitalisierung. Ein großer Begriff, der auch vor Rechtsanwälten keinen Halt macht. Das veraltete Schreiben vom Band, das Eintippen der Schriftsätze – ist das alles Vergangenheit und was macht eigentlich meine Assistenz? Längst schon gibt es die Spracherkennungssoftware und die jüngeren Anwälte schreiben ihre Schriftsätze selbst. Die Anwaltssoftware speichert alles von allein und die Rechtsanwaltskosten nach RVG gibt es doch gar nicht mehr. Digitalisierung muss funktionieren, aber wer kümmert sich eigentlich darum? Ist eine vollständige Digitalisierung in Kanzleien eigentlich möglich?

„Das kann doch nur funktionieren, wenn meine Kanzleiorganisation läuft. Brauchen wir dafür eigentlich noch Fachpersonal? Sind ja eh so schwer zu finden, diese Rechtsanwaltsfachangestellten…“

Dass diese Denkweise keinen Sinn macht, merken Rechtsanwälte sehr schnell. Nicht umsonst gehört der Beruf der Rechtsanwaltsfachangestellten oder auch des Rechtsfachwirts zu den Kammerberufen. Zur Berufsausübung muss das erforderlich umfassende Fachwissen und die persönliche Eignung in besonders anspruchsvollen langwierigen Prüfungen unter Beweis gestellt werden.

Wer denkt, dass in Kanzleien „nur“ getippt wird und Fachpersonal nicht mehr nötig ist, liegt ganz falsch. Was ist mit der Erstellung von Entwürfen für Schriftsätze, Kostenverfahren vor Gericht, die Fristenkontrolle und Vertragsentwürfen. Nicht zu vergessen die dicken Papierakten, auf die nicht ganz verzichtet werden kann aufgrund der Aufbewahrungsfristen, etc. Wer sich dann noch um anstrengende Anträge wie die einstweilige Verfügung oder die Wiedereinsetzung einer Frist selbst bemüht, wird nicht auf seine ausgebildete, langjährig  und zuverlässige ReNo verzichten wollen.

Aber wer kümmert sich nun um den Fortschritt in der Kanzlei und der Digitalisierung? Wenn die Spracherkennungssoftware nicht funktioniert, Outlook mal wieder streikt oder Windows 8 noch mit Schwachstellen kämpft und 8.1 die Fehler einigermaßen wieder auskehrt, kommt auch schon Windows 10 mit neuesten Steuerungen. Die Nummer des Supports kennt die ReNo auswendig, nebenbei besucht sie einen Englischkurs, um „up to date“ zu sein. Danach bereitet sie die Schriftsätze vor, führt die Kosten- und Mahnverfahren alleine, kümmert sich um Ihre Mandanten; läuft panisch zu Gericht, um die viel zu verspätet eingereichte Frist noch rechtzeitig abzugeben, organisiert den ganzen Kanzleialltag sowie die privaten Termine zu Ihrer Zufriedenheit und ist Kummerkasten für alle Mitarbeiter.

ReNo’s sind schon lange nicht mehr die klassische Assistenz. Sie sind für Rechtsanwälte unverzichtbar – ob nun Digitalisierung oder nicht. Wer darüber nachdenkt, ob sich eine Fachkraft noch lohnt, sollte gleichzeitig darüber nachdenken, wer sich dann um all das kümmern soll.

Die vielfältigen Rollen und das rechtliche Hintergrundwissen einer Rechtsanwaltsfachangestellten oder auch des Rechtsfachwirts sind auch in anderen Unternehmen beliebt und nicht unbemerkbar geblieben. Ob Kanzlei, Immobilienbranche, in der Verwaltung oder Rechtsabteilungen unzähliger Unternehmen.

Überall werden wir gebraucht! 🙂